strickleiter.net

31. August 2008

zwei Herzen

Es holt einen immer ein, denke ich, während ich durch die Gegend fahre, wo ich früher gewohnt habe. Gelebt habe.

Diese Bäume - seit Jahren nicht gesehen oder drüber nachgedacht - sehen ein wenig so aus, als hättest du sie exakt 1:1 aus dem Kopf abzeichen können und du fragst dich ein wenig, wieso die einfache Welt - so leicht und beschwert wie sie war - genauso leicht auch zusammenbrechen - zerfallen - konnte. Ohne, dass du etwas dazu beitragen musstest.
Aus dem Autoradio kommt ein Lied. Nagel schreit dich an “ALLES ZIEHT VORBEI!” - so ist das. Du drückst den Knopf. “Repeat.”

Für diesen Moment, hast du dich einfach mal so nah, direkt und privat, wie schon lange nichtmehr. Vermutlich hat der Heranreifungsprozess - das Alter - diese Distanz zu dir aufgebaut. Es gibt kein “Ich geh mal in die Stadt - mal schauen, warum.” mehr - Es ist ein: “Ich muss mal wieder in die Stadt - Buch XY kaufen - aber ich habe keine Zeit.”

“Geradeaus ins Nichts, denn genau da komm ich her’. Dieser gute, warme Ort.” singt er. Schon zum siebten oder achten Mal. Du nickst - und während dir noch die Tränen über die Wangen kullern - nicht mehr als 4 Stück - willst du weiter. Es fällt dir schwer, Jugend oder Kindheit mit dem “Heute” zu koordinieren. Es sind zwei Welten. Zwei Leben. Zwei Dimensionen - vermutlich sogar zwei Paralleluniversen.
Du wendest. Der Wendehammer ist der gleiche wie immer. Du lässt sogar den älteren Herren über die Straße gehen - du hast dich. Gefangen. Hier, in diesem Wendehammer merkst du, wer du wirklich bist. Und wo du herkommst. Und fährst los.

“Noch mehr Mixkasette und noch mehr Achterbahn.”


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