Cirque du torture
Zirkus.
Ich war gestern im Zirkus! Nach gefühlten 205151 Jahren (wenn nicht sogar 205152). Und ich wurde nicht enttäuscht. Nicht enttäuscht, was meine Annahme anging, dass mich der Zirkus einfach nicht mehr so “anmacht”, wie, als ich fünf Jahre alt war. Artisten; Ja, das begeistert mich. Zwischen der Angst, einem Menschen beim Fall aus höchsten Höhen zuzusehen und nicht helfen zu können und der Bewunderung, dass diese Angst unangebracht ist - das gefällt mir.
Nicht gefallen tut mir aber eine Instrumentalisierung von Lebewesen des Unterhaltungswertes wegen. Es ist nicht cool, nicht unterhaltsam, nicht lustig, wenn ein Braunbär - gezüchtigt durch diverse Gürtel um Mund und Arme - angsterfüllt auf einem Ball über zwei Schienen balancieren muss. Und sein Blick - auch wenn Bären kein Mimenspiel kennen sollen - sagt nur eins aus: Angst.
Es ist nicht cool, nicht unterhaltsam, nicht lustig, wenn Tiger aus Angst ihre Ohren anlegen, sich ducken, weil sich nicht mehr auf einem lustigen Hocker mit Sternchen drauf stehen können, weil sie erschöpft sind, aber wissen, dass sie, wenn sie herunterfallen, etwas erwarten müssen, was nicht zu verantworten wäre.
Es ist nicht cool, nicht unterhaltsam, nicht lustig, als Zuschauer Machtdemonstrationen der Rasse Mensch zu beobachten. Und zu wissen: Du bist auch einer.
Fremdschämen auf höchstem Niveau. Ohnmacht galore.
