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Im Hagel war es warm (5)

Freitag.

Die Dame kam zu unchristlicher Uhrzeit Heim, ich breche zu menschenverachtenden Stunden auf. Ein letztes Mal vor der wöchentlich-temporären weckerlosen Phase. Das Wochenende als Ausgleich für investierte Lebenszeit. Mach meinen Tag, Radiowecker, wünsche ich, als Chad Kröger mich plötzlich dazu auffordert, mir diese Fotografie anzusehen. (weiterlesen)

Wir schließen! Alles muss raus!

Unmittelbare Tschernobylassoziationen beim Durchqueren dieser Einkaufsstraße, die außer leeren Gebäuden nur Graffitis zu bieten hat. Klar, ist ja auch Samstag, 16 Uhr. Stoßzeit gibt es an diesem Ort schon lange nicht mehr.
Früher. Ja, Früher. Da war noch Usus, als sich die einzige Prominenz der Stadt an warmen Tagen zum Eisessen hier unter das einkaufswillige Volk mischte.

Der Ort, an denen man Samstag 25 Minuten Aufenthalt genießt hat, weil man auf Busse angewiesen ist, die nicht kommen, die einen dort aussteigen lassen, wo man nicht hinwill, aber muss, weil es der nächste Fleck ist, von dem aus man laufen könnte.
Politischer Handlungsbedarf, um Menschen in die Innenstadt zu locken? Mitnichten.
Wer hier mit 18 nicht wegzieht, wird eh schwanger und an den Ort gebunden. Oder drogenabhängig und an den Ort gebunden.
Ein Dämon, der alles Leben aufsaugt und speichert.

Diese Stadt ist der Luftschutzbunker, in dem Bösewichte ihre Geißeln halten. Und das Stockholmsyndrom gibt niemandem von ihnen Chance, das zu erkennen.
Es macht ein wenig traurig, dass all das das ist, was wir alle einmal waren.

Ein Appell, dass wir alle etwas ändern könnten, wie ist es, wäre angebracht. Steht ihr mit mir auf, all die, die das sinkende Schiff verlassen haben?

(Es ist okay,) Format C:\

Ich erinnere mich gut an drei-vier Tage.
Ich muss so ungefähr 16 Jahre alt gewesen sein, als es mir vorkam, als würde ich über Nacht nichts verarbeiten. Es heißt ja, Träume seien die Defragmentierung des Gehirns.
Mein Dateisystem war hinüber.

Ich wachte auf und hatte den Eindruck, die letzte Nacht sei vorrübergeflogen. Ich wusste zwar, dass ich geschlafen habe, aber nur, weil ich mir die fehlenden acht Stunden der vergangenen Nacht nicht erklären konnte.
Einige Tage lang habe ich mir nur Dinge aufgeladen.
Es gab keinen Knall. Es war einfach weg, wie es gekommen ist.

Manchmal läuft es eben so, dass man sich Dinge nicht erklären kann, bis sie sich in Wohlgefallen auflösen. Machen wir das Beste draus. Oder lassen es eben. Gut sein.

Als nichts mehr aus dem Fass kommen wollte…

Und dann ist da dieser Tag, an dem man vor die Ohren geführt bekommt, dass man das vermeintliche Wunder schon aus sich herausgepresst hat.
Der Pickel, der nur noch blutet.

Vielleicht ist es die Kunst eines Künstlers, genau das zu erkennen. Nicht nur den Höhepunkt als solchen zu begreifen. Es ist eben nicht nur das Erkennen, dass man glücklich ist. Sondern auch, dass man das Glück als Chance begreift, sein Können nicht in alle Gehörgänge der Welt zu pusten.

Es geht doch immer weiter. Wenn auch nur bergab.

Wir kommen schon noch an den Punkt, an dem zu Verstehen ist, dass Schema F der Feind ist.
Die Ideen kommen wie das gute Wetter: Erst dann, wenn man nicht mehr darauf wartet.

Glück in der Liebe, Glück im Spiel.

Im Hagel war es warm (4)

Donnerstag.

So eine Woche, denke ich, vergeht immer schneller, als man am Sonntagabend noch wahrhaben will.
Die Hürde, sich montags aus dem Bett zu schälen ist groß genug, um es eigentlich nicht zu tun.
Die Müdigkeit, die einen daran hindert, sich über solche Dinge Gedanken zu machen, spielen dem Alltag jedoch zu sehr in die trockene, schwilenbesetzte Hände.

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Der Kaiser ist tot, lang lebe der Kaiser!

Es ist schon verrückt.
Es muss so circa im Jahre 2008 gewesen sein, als ich feststellte, dass ich komischerweise jeden Sonntag in dieser Bar sitze.
Ich habe noch in Mülheim an der Ruhr gewohnt.
Der Stadt, die mich pubertierend ertragen hat und trotzdem nicht ganz in sich zusammengefallen ist. Das Motto “Diese Stadt hat mich kaputtgemacht und ich bleibe, bis man ihr das anmerkt“, hat offensichtlich nicht ganz funktioniert.

Es war wohl an einem dieser Sonntagabende, die irgendwie an einen Tag angeschlossen haben, der nur im Loch im Kalender war. Sonntage, der Abschaum der Woche.
Irgendwann habe ich durch den Raum geschaut und festgestellt, dass ich hier jeden kenne. Die einzig-logische Konsequenz für mich, war es etwas zu ändern.
Ich habe hier meine Jugend verbracht. In dieser Stadt, einen großen Teil davon sogar in dieser Kneipe.
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Im Hagel war es warm (3)

Mittwoch.

Einige Leute tragen Geschichten mit sich herum, die sich so tief in ihre Gesichter gefressen haben, dass man ihrem Blick gleich ansieht, dass sie einen tonnenschweren Koffer voll Probleme auf dem Rücken tragen, dass man ihnen nicht mehr abkaufen mag, dass sich das Glück auch nur für wenige Momente auf ihre Seite verirrt.

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Im Hagel war es warm (2)

Dienstag.

In der letzten Nacht habe ich nicht viel Schlaf bekommen.
Ich bin ein Superheld und verfüge über das ausgezeichnete Talent, mein Gehirn Szenarien solange zeichnen zu lassen, bis sie sich so wahr anfühlen, dass sie Einfluss auf meine Verfassung zu haben. (weiterlesen)

Herr Strickleiter, wie ist eigentlich ihr Leben?

Wie mein Leben ist? Das fragen Sie mich?
Nun. Es gab diesen Moment, heute. Eigentlich ist nicht viel passiert – es war einer dieser Momente, in denen alles ist, wie immer. Man steht in diesem Büro des Kollegen, als man plötzlich ein Lächeln entdeckt. In den eigenen Mundwinkeln.
Und das alles nur, weil da diese neue Blume auf dem Schreibtisch entdeckt.
Das Grüne im Grauen sehen. Ja, das bin irgendwie ich.
Wieso die Frage?

“Haben Sie getrunken?” “Schon lange nicht mehr.”

Und dann diese Stimmung. Dieses Gefühl zwischen Leere und Schwere. Nichts wichtiges zu sagen haben. Kein Thema zu finden, an dem man sich abarbeiten will.
Dieses Monster im Kopf, dass sich scherenförmig durchfrisst.

“Kein Gedanke ist interessant genug, ihn aufzuschreiben”.

Vielen Dank, Schädel.
Du bist mir egal. Dein Urteilsvermögen scheitert schon im Chinaimbiss, deine Entscheidungsfreudigkeit rasiert meinen Mut mal mehr, mal weniger. Nichts, was dich zum beschäftigen bringt, bringt mich um oder weiter.
Ich setze mich über dieses Monster hinweg und spucke ihm ins Gesicht.
Mach, was du willst. Wen du willst, verrückt. Und jeden, den du willst, fertig. Mich sicher nicht.

Und ich höre mich lachen. Da, wo niemand lachen kann oder darf. Oder sollte.
Ich sehe mich grinsen. Da, wo niemandem zum Grinsen ist.

Mach doch, watte denkst. Ich hab gewonnen.
Und kann dich verstehen und nutzen.

Mein Kopf und ich, wir sind gute Freunde. Aber wenn er seine dollen fünf Minuten hat, ignoriere ich ihn gerne mal.

Sonst geht’s mir gut, Mister.